Jeder mehr oder minder vernünftige Mensch stimmt der Aussage zu, dass im Rahmen einer demokratischen Gesellschaft Diskriminierung egal welcher Form ohne Wenn und Aber abzulehnen ist und Personen, die diskriminierendes Gedankengut verbreiten wollen, keine Plattform gegeben werden darf. Das ist ja auch richtig und sollte selbstverständlich sein, doch leider ist der Begriff „Diskriminierung“ in vielen Fällen sehr kurz gefasst. Diskriminierung gibt es in vielen verschiedenen Formen, einige von ihnen werden traurigerweise nur selten als eben solche wahrgenommen.
Sexismus
Ein Beispiel hierfür wäre noch immer der Sexismus. Immer wieder werden Menschen allein aufgrund ihres Geschlechts mit irgendwelchen billigen Klischees gleichgesetzt und stereotypisiert. Mensch muss (oder lieber doch nicht) sich nur einmal die vielen Titel sogenannter Hip-Hop-Künstler anhören, in denen meist Frauen als Objekte männlicher Begierde reduziert, teilweise auch zutiefst entwürdigt werden. In den dazugehörigen Videos sieht mensch meist wenig bekleidete Frauen herumtanzen, welche offenbar lediglich als Accessoire der männlichen Künstler dienen sollen.
Ein weiteres Beispiel für den alltäglichen Sexismus ist die Werbung. Wie oft sieht mensch spindeldürre junge Frauen, welche als Werbeobjekte für irgendwelche abstrusen Produkte stehen. Eines der ekelhaftesten Beispiele für sexistische Werbestrategien stellt das Deodarant „Axe“ dar, weches auf seiner Internetseite seit Neustem sogar die Möglichkeit anbietet, eine Frau virtuell zu betatschen. Hierzu der Mädchenblog und die taz.
Solche diskriminierenden Auswüchse sind das Resultat einer patriarchalen Gesellschaft, in der „männliche“ Werte überwiegen. Eine solche Gesellschaft schreibt beiden Geschlechtern typische Rollenbilder zu. Wer kennt sie nicht, diese wenig durchdachten Aussagen à la „Typisch Frau“ oder auch „Typisch Mann“. Naja, ich bezweifle, dass es sowas in dieser Form überhaupt gibt. Sogenannte typische Frauen- oder Männer-Verhaltensweisen sind wohl zum Großteil gesellschaftlich konditioniert. Auf jeden Fall gibt es keine Rechtfertigung dafür Menschen aufgrund ihres Geschlechts in irgendwelche Schubladen zu stecken!
„Lookism“
Und weiter geht es mit der alltäglichen Präsenz von Diskriminierung. Wenn mensch morgens durch die neusten Klamotten-Prospekte blättert und sich die darin abgebildeten Personen etwas genauer betrachtet, dem fällt das geltende Schönheitsideal für Frau und Mann sofort in die Augen. Schlank, „Sixpack“, „perfektes Gesicht“… Menschen werden auf extremste Weise auf ihr Äußeres reduziert. Durch Medien und Werbung wird das Bild eines „perfekten“ Menschen suggeriert, welches der Realität ferner kaum sein kann. Viele Menschen wünschen sich nichts sehnlicher, als diesem abstrusen Ideal ein Stückchen näher zu kommen – koste es auch, was es wolle. Da werden schon einmal mehrere Tausend Euro für eine sogenannte Schönheits-OP in den Sand gesetzt. Oder das lang ersparte Geld für die neuesten Modetrends ausgegeben, die in wenigen Monaten sowieso wieder aus der Mode sind.
Diese oberflächliche Konzentration auf das Aussehen führt zur Kategorisierung in „schöne“ und „hässliche“ Menschen. Und natürlich die Grauzone dazwischen. Oft werden Menschen beleidigt oder nicht akzeptiert, weil ihr Äußeres als „hässlich“ empfunden wird. Mal ist mensch zu dick, dann wieder zu dünn. Mal sind die Klamotten out, dann die Frisur altmodisch oder einfach nur freaky.
Anstatt das Aussehen und den Klamottenstil als Ausdruck persönlicher Individualität wahrzunehmen und entsprechend als wertvoll und einzigartig zu erkennen, wird mensch daran gemessen und zuweilen diskriminiert. Der englische Ausdruck „lookism“ bezeichnet diese Art der Diskriminierung. Wenn sich jemand über diese Thematik genauer informieren möchte, kann sich gerne auf Lookism.info umsehen, eine richtig informative Seite zu diesem Thema.
„Ageism“
„Alter Sack!“ – „Das ist aber kindisch!“ – Oft werden Menschen auch aufgrund ihres Alters kategorisiert und stereotypisiert. JedeR weiß, dass ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt nach Verlust ihres Jobs kaum noch eine Chance haben, im Arbeitsleben wieder Fuß zu fassen. Jüngere kosten eben weniger, mit ihnen ist länger zu planen und schlussendlich ist mit ihnen mehr Profit zu machen.
Aber auch abseits des Arbeitslebens spielt die Altersdiskriminierung leider eine Rolle. Menschen werden aufgrund ihres Alters beleidigt oder weniger ernst genommen. Anstatt die Lebenserfahrung älterer Menschen als Chance zur eigenen Weiterentwicklung zu sehen, werden diese oft als „alte Säcke“ oder „nicht mehr zeitgemäß“ denunziert und dementsprechend nicht ernst genommen.
Aber auch umgekehrt herrsch oft kein unvoreingenommenes Verhältnis. Die Unerfahrenheit von jüngeren Menschen wird immer wieder als Grund genommen, auf deren Ansichten und Probleme nicht wirklich oder nur oberflächlich einzugehen. „Das wirst du auch noch lernen“, hört mensch oft und fühlt sich einfach unverstanden. Es wäre viel schöner, wenn sich alle Altersstufen auf einer Ebene wahrnehmen würden, denn davon könnte jedeR profitieren.
Es bleibt festzuhalten, dass Diskriminierung weiterhin in unzähligen Formen gesellschaftlich etabliert ist. Daran gilt es anzuknüpfen und alle diskriminierenden Tendenzen aufzuzeigen und offensiv zu kritisieren. Besonders wichtig ist es aber, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und die eigenen Ansichten kritisch zu beäugen und weiterzuentwickeln. KeineR von uns ist frei von pauschalen Urteilen, allerdings können wir alle versuchen, diese zu erkennen und zu überwinden.
Vielleicht kommen wir so der Freiheit der Welt ja ein kleines Stückchen näher. Wäre wundervoll.
von j.